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Es gibt innere Räume in uns, die nur selten gesehen werden. Räume aus Fantasie, Gedanken, Möglichkeiten, leisen Träumen und innerem Erproben. Für viele Menschen sind sie Rückzugsort, Entwicklungsraum und hin und wieder sogar eine Form von Überlebenskunst.
Doch was geschieht, wenn diese innere Welt infrage gestellt wird?
Wenn das, was sich stimmig anfühlt, von außen bewertet oder korrigiert wird?
Nicht selten entsteht dann nicht nur ein sachlicher Zweifel, sondern ein tieferes Gefühl: als würde nicht nur ein Gedanke, sondern die eigene Art zu sein hinterfragt. Ein leiser Rückzug kann folgen, begleitet von Scham oder dem Eindruck, „nicht richtig“ zu sein.
Dabei ist unsere innere Welt kein Irrtum. Sie ist Ausdruck unserer Geschichte, unserer Kreativität, unserer Anpassungsfähigkeit. Sie zeigt, wie wir gelernt haben, mit Erfahrungen umzugehen, uns zu schützen und zu entfalten.
Es kann sein, dass ein würdevoller Umgang mit uns selbst genau dort beginnt: wo wir aufhören, unsere inneren Räume zu bewerten – und anfangen, ihnen zuzuhören.
Oft sind uns diese inneren Räume gar nicht klar bewusst. Wir wachsen in unser Leben hinein, passen uns an, reagieren auf das, was von uns erwartet wird. Vieles geschieht selbstverständlich, ohne dass wir innehalten und fragen, was sich in unserem Inneren eigentlich bewegt.
Und doch meldet sich zwischendurch ein leiser Widerstand. Ein Gefühl von Enge, Irritation oder Unstimmigkeit. Nicht immer laut, nicht immer eindeutig, eher wie ein feines inneres Signal.
Hin und wieder ist es nur ein kurzer Gedanke, der auftaucht und wieder verschwindet. Ein kaum wahrnehmbares Innehalten, ein inneres „Stimmt das für mich?“ — dem wir oft nicht weiter nachgehen.
Nicht selten erkennen wir in solchen Momenten nicht, dass hier ein tieferer Teil von uns spricht. Stattdessen machen wir weiter, funktionieren, ordnen uns ein. Wir denken dann vielleicht:
Hier ist kein Platz für das, was ich wahrnehme.
Das geht jetzt nicht.
Ich bin nicht richtig.
So, wie ich empfinde, sollte es nicht sein.
Und so kann es geschehen, dass sich unsere inneren Räume nach und nach zurückziehen — nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil sie keinen sicheren Ort finden, an dem sie bestehen dürfen.
Wenn innere Räume über längere Zeit wenig Beachtung finden, beginnen sie sich oft anzupassen. Nicht aus Schwäche, sondern aus einem tiefen Wunsch nach Zugehörigkeit und Sicherheit.
Es kann sein, dass wir früh lernen, welche Anteile von uns willkommen sind und welche Irritation auslösen. Was sich nicht zeigen darf, wird leiser. Was keinen Raum findet, zieht sich nach innen zurück.
Nicht selten äußert sich das später als ein Gefühl von innerer Enge oder schwer greifbarer Unruhe. Ein leiser Eindruck, sich selbst nicht ganz zu erreichen. Als würde etwas in uns darauf warten, gesehen zu werden, ohne genau benennen zu können, was es ist.
Innere Welten verschwinden nicht einfach. Sie verändern ihre Sprache.
Sie zeigen sich möglicherweise in Müdigkeit, in Zweifel, in dem Wunsch nach Rückzug oder in einer Sehnsucht, die keinen klaren Namen trägt. Nicht als Störung, sondern als Hinweis darauf, dass etwas in uns weiterhin lebendig ist und wahrgenommen werden möchte.
Vielleicht geht es weniger darum, etwas zu korrigieren und mehr darum, wieder zuzuhören – uns zuzuhören.
Unsere inneren Räume gleichen hin und wieder einem Zimmer, dessen Tür lange geschlossen war.
Nicht verlassen, eher still geworden. Staub liegt auf vertrauten Gegenständen, Erinnerungen ruhen in den Ecken, und doch ist alles noch da. Nichts ist verschwunden. Es wartet lediglich darauf, wieder betreten zu werden.
Die Wege dorthin sind nicht immer klar erkennbar. Sie zeigen sich selten durch eindeutige Antworten, sondern eher durch ein leises Ziehen im Inneren. Ein Moment der Berührung, ein Gedanke, der nachklingt, ein Bild, das uns nicht mehr verlässt.
Unsere innere Welt drängt sich nur selten auf. Sie wartet vielmehr darauf, eingeladen zu werden.
Es kann sein, dass diese Einladung ganz sanft geschieht. Oftmals braucht es jedoch Erfahrungen, die uns innehalten lassen — Momente von Verlust, Trennung oder Erschöpfung, in denen das Weiterfunktionieren nicht mehr möglich ist.
Nicht, weil unsere innere Welt uns bestrafen möchte, sondern weil sie über lange Zeit hinweg kaum Raum hatte, gehört zu werden.
Und vielleicht liegt genau darin eine leise Erinnerung: nicht erst zu warten, bis das Leben uns anhält, sondern uns schon vorher die Erlaubnis zu geben, nach innen zu lauschen.
Es braucht nicht immer einen großen Schritt, um sich dieser inneren Welt wieder zuzuwenden. Hin und wieder genügt ein kurzes Innehalten. Ein Atemzug, in dem nichts erreicht werden muss. Ein Augenblick, in dem wir wahrnehmen dürfen, ohne sofort zu verstehen.
Nicht selten entsteht Mut nicht aus Stärke, sondern aus einem sanften Erinnern: dass das, was in uns lebt, immer für uns war.
Mut beginnt oft leiser, als wir es erwarten. Nicht in großen Entscheidungen oder sichtbaren Veränderungen, sondern in einem kaum bemerkbaren Moment der Zuwendung nach innen.
Denn häufig liegt die größte Hürde nicht im Handeln, sondern darin, uns selbst zuzuhören.
Ein alter Impuls meldet sich schnell:
Das kann ich jetzt nicht machen.
Dafür ist keine Zeit.
Das ist gerade nicht wichtig.
Und so wenden wir uns wieder dem Außen zu, während etwas in uns weiter geduldig wartet.
Dabei könnte Mut genau dort beginnen: In der Bereitschaft, einen Augenblick länger bei dem zu verweilen, was sich zeigt. Ohne es lösen zu müssen. Ohne sofort eine Konsequenz daraus abzuleiten.
Es kann sein, dass dieses erste innere Lauschen bereits ein Akt von Würde gegenüber uns selbst ist. Ein stilles Anerkennen dessen, dass unsere inneren Bewegungen Bedeutung haben dürfen.
Es braucht nicht immer Antworten. Hin und wieder genügt es, sich selbst den Raum zu erlauben.
Das, was wir uns tragen zeigt sich erst nach und nach, wenn wir hinhören wollen – vielleicht bei einem Spaziergang, beim Sport oder beim Hausputz. Mehrere achtsame Momente mit uns selbst sind manchmal nötig, bis wir beginnen zu verstehen, was sich eigentlich bemerkbar macht. Ein Gefühl, das wiederkehrt. Eine leise Sehnsucht. Ein Gedanke, der nicht mehr ganz weichen möchte.
Je öfter wir uns erlauben, hinzuhören, desto vertrauter wird diese innere Stimme. Sie drängt nicht, sie fordert nichts. Sie erinnert eher daran, dass etwas in uns gesehen werden möchte — ohne bewertet zu werden.
Und so entsteht langsam eine neue Erkenntnis. Nicht als lauter Entschluss, sondern als stilles Verstehen, das sich nach und nach formt: Ich will Raum haben dürfen.
Nicht, um recht zu haben. Nicht, um etwas zu beweisen. Sondern um in Beziehung zu bleiben mit dem, was in uns schon immer lebendig ist.
Vielleicht beginnt Mut nicht mit Veränderung, sondern mit Zuhören.
Wenn wir uns selbst auf diese Weise begegnen, verschiebt sich etwas. Der innere Raum wird nicht länger ein Ort, der verborgen bleiben muss, sondern einer, der behutsam betreten werden darf.
Es kann sein, dass es vielen Menschen ähnlich ergeht. Mehr, als wir ahnen, tragen innere Räume in sich, die lange wenig bis gar keine Beachtung fanden. Räume voller Gedanken, Empfindungen und leiser Wahrheiten, die darauf warten, endlich (wieder) wahrgenommen zu werden.
Und doch erkennen die wenigsten, was sich in ihnen meldet. Nicht, weil sie den Zugang verloren haben — sondern weil das Leben oft laut ist.
Es braucht Zeit, bis wir bereit sind, wieder zuzuhören. Zeit, bis sich etwas in uns sicher genug fühlt, um wahrgenommen zu werden. Dieser Moment lässt sich nicht erzwingen. Er entsteht, wenn er entstehen darf.
Vielleicht genügt es für jetzt, zu wissen:
Dass dieser innere Raum existiert.
Dass er es verdient, mit Würde beachtet zu werden.
Und dass es möglich ist, ihm zu begegnen — Schritt für Schritt, im eigenen Tempo.
Niemand muss diesen Weg allein gehen.
Auch ich kenne die Erfahrung, innere Räume erst nach und nach wiederzuentdecken. Ich weiß, wie viel Mut es braucht, sich selbst zuzuhören, und wie heilsam es sein kann, dabei gesehen und begleitet zu werden.
In meinem Coaching öffne ich einen geschützten Raum für genau diesen Prozess. Einen Raum, in dem nichts bewertet werden muss, in dem du Zeit haben darfst und in dem Würde nicht erst entstehen muss, sondern bereits da sein darf.
Vielleicht spürst du beim Lesen, ob und wann sich ein nächster Schritt stimmig anfühlt. Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt — nur deinen.
Und hin und wieder beginnt alles mit einem einzigen Moment des Zuhörens.
Mit der leisen Erlaubnis an dich selbst: Raum zu haben. Da zu sein. Du zu sein.
Wenn du dich auf diesem Weg begleiten lassen möchtest, findest du bei mir einen Raum für dein eigenes Tempo und deine eigene innere Stimme – ohne Erwartung, ohne Wertung. Ich freue mich auf deine Nachricht.
Herzlichst,
Bianca
